New York Evening Telegram, 19. Nov., 1901, S. 10

Übersetzung aus dem Englischen: Unleserliches mit "xx" gekennzeichnet.

(Weißkopf-Zitate in schräger Fettschrift - siehe weiter unten)



 

S. 10 THE EVENING TELEGRAM NEW YORK, DONNERSTAG,
19.
NOVEMBER, 1901

 

SCHIFF, WELCHES WIE EIN VOGEL
FLIEGEN WIRD, KÖNNTE BALD AUF DEN MARKT KOMMEN

 

Modell, welches bereits
anderthalb Meilen geflogen ist, wird in Bridgeport neu gebaut

 

ERFINDER DENKT, SIE KÖNNTE FÜR
$1.500 VERKAUFT WERDEN.

 

Gustave Whitehead, durch Kapital
unterstützt, beschäftigt siebzehn Maschinisten in seiner kleinen Werkstatt.

 

FEINSTER MOTOR DER WELT

 

Beflügeltes Boot so beschaffen,
dass es über Land rast und auch auf dem Wasser fährt.

 

[SONDERDEPECHE AN DEN EVENING TELEGRAM]

 

BRIDGEPORT, Conn., Dienstag. – Der Anblick von Fluggeräten, wie sie ihre Flügel schlagen während sie über Berg und Tal sowie übers hektische Stadtleben durch die Luft hinweg gleiten, wird bald zur Realität. Innerhalb eines Jahres wird man möglicherweise ein Luftfahrzeug kaufen und ihm durch den Luftraum so frei fliegen können, wie heutzutage Automobile verwendet werden. Zwar mag sich dies wie eine Traumvorstellung lesen, und doch geht’s um die Realität, denn in dieser Stadt baut gerade ein junger Mann eine Maschine, deren Vorgängerin bereits anderthalb Meilen durch die Luft geflogen ist. Darüber hinaus wird die neue Maschine in der Lage sein, mit hoher Geschwindigkeit über den Boden sowie auch übers Wasser zu fahren.

Der Erfinder heißt Gustave Whitehead. Mithilfe von siebzehn Maschinisten, die unter ihm in einer kleinen Werkstatt in Pine St. am Rande dieser Stadt arbeiten, schafft er Tag und Nacht an jener Maschine, die er in nicht allzu langer Zeit erwartet, auf den Markt zu bringen.

 

Es handelt sich dabei weder um eine Studie noch um das Werk eines Träumers, denn Whitehead hat bereits ein Luftschiff in der Form eines großen Vogels gebaut, mit dem schon bewiesen wurde, dass er das Problem der Luftnavigation bereits gelöst hat.

Santos-Dumont ist bereits durch die Luft um den Eiffelturm in Paris geflogen. Doch hierbei, sagt Whitehead, handelt es sich nicht um eine fliegende, sondern um eine schwebende Maschine. Die Maschine Whiteheads wird nicht wie ein Ballon schweben, sondern ohne den Auftrieb eines Gases, um es hoch zu halten, durch die Luft segeln.

 

Diese neue Maschine wird die zwanzigste, die ich gebaut habe“, sagte Whitehead, während er über seine Arbeit heute nachdachte und über jene Erfindung sprach, die verspricht, ihn für alle Zeit berühmt zu machen. „Achtzehn davon waren Misserfolge, wegen irgendeines Fehlers, den ich zur damaligen Zeit nicht begreifen konnte. Doch die zuletzt Erbaute war die Belohnung für meine jahrelangen Bemühungen und erreichte, was ich so lange zu lösen versucht hatte.

 

Die Welt wird Staunen.

 

Die Neue, an der ich jetzt arbeite, wird viel besser als die Letzte. Denn ich habe aus meinen Fehlern gelernt und, wenn es fertig wird, wird die Welt staunen. Es wird der feinste jemals gebaute Motor haben; einen, den ich selbst konstruierte und deren Kraft im Verhältnis zum Gewicht viel größer sein wird als jeglicher, anderer, bisher existierender Motor.

 

„Seit ich ein Junge war und die Berufsschule in Augsburg, Deutschland, besuchte, wo ich mir Kenntnisse über den Maschinenbau und das Ingenieurswesen aneignete, habe ich die Idee einer Flugmaschine im Kopf. Damals beschloss ich, eines Tages so zu sein wie die Vögel, die ich so gerne beobachtete. Nachdem ich die Schule verließ, ging ich zur See und segelte fünfmal um die Welt.

 

„Ich erinnere mich daran, einmal die großen Condors vor der Küste Südamerikas beobachtet und dabei versucht zu haben, zu verstehen, wie sie es machen. Ich beobachtete auch die Möwen, wie sie hin und wieder gegen den Wind mit ausgestreckten Flügeln gleiten würden, scheinbar ohne die geringste Anstrengung.

 

„Jetzt verstehe ich, wie sie es taten, denn ich habe selbst das gleiche gemacht. Ich bin der einzige Mensch, der sich vom Boden erhoben hat und durch die Luft geflogen ist. Geld? Nein, ich glaube nicht, dass ich jemals reich werde. Jedenfalls denke ich nicht daran bzw. wage ich nicht, darüber nachzudenken. Erst wenn ich meine Maschine soweit perfektioniert habe, dass ich nach Belieben herum fliegen kann, werde ich zufrieden sein. Meine neue Maschine wird das besser als die alte tun. Dennoch wird es immer Raum für weitere Verbesserungen geben. Außer durch die Luft zu fliegen, wird es auch auf vier großen, mit Gummi bereiften Rädern über den Boden rollen, sowie übers Wasser fahren.

 

Eine Meile pro Minute.

 

Ich erwarte, dass meine Maschine eine Geschwindigkeit von fünfzig oder sechzig Meilen pro Stunde in der Luft und zirka vierzig Meilen pro Stunde auf dem Boden erreichen wird. Der kleine Propeller im Heck, der so angeordnet wird, dass er mit dem Bodenantrieb verbunden werden kann, wird die Maschine mit etwa vierzehn Meilen pro Stunde durchs Wasser befördern. Die Kraft wird mittels Calcium-Carbid erzeugt, welches vierzehn Mal kräftiger ist als Benzin.“

 

Trotz all seines Wissens ist Whitehead ein bescheidener Mann. Als ich ihn in seiner Werkstatt überraschte, weigerte er sich zunächst, über seine Erfindung zu reden mit dem Hinweis, er würde lieber warten bis die neue Maschine fertiggestellt ist. Er erklärte jedoch, dass es kein Geheimnis darüber gibt hinsichtlich dessen, was er gerade macht. Zum Beweis hierfür zeigte er aus dem Fenster und sagte: Dort steht die Maschine, in der ich flog. Sie können raus gehen und sie sich anschauen. Sie ist mittlerweile überholt und wurde ausranchiert, denn die Neue, an der ich gerade baue, wird viel leichter und stärker sein und aus besserem Material bestehen. Die alte hat mir den Weg gezeigt und erfüllte damit ihren Zweck.

 

Mit stolzem Blick betrachtete Whitehead jene seltsame Kreatur, die sich wie ein Lebewesen durch die Luft bewegt hatte. Die Maschine, welche im Flugmodus dreihundertfünfzig Pfund wog, sieht aus wie ein Boot aus Stoff mit großen Flügeln aus Stoff-bespannten Bambus-Streben sowie ein vogelartiges, fächerförmiges Leitwerk aus Stoff.

 

Das Rahmengestell des Boots ist aus blau bemaltem Holz. Ein Bugspreit erstreckt sich aus der vorderen Spitze, wie beim herkömmlichen Segelboot. Darunter befinden sich vier Holzräder, auf welche xxxxxxxxxxxx xxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxt. Die Segelfläche der Maschine beträgt 130 Fuß. Das Betriebsprinzip ist einfach, auch wenn es Jahre dauerte, um es sich auszudenken. Nachdem man zunächst auf dem Boden beschleunigt, um ausreichend Geschwindigkeit zu bekommen, [setzen sich] zwei Zweiblattpropeller [in Bewegung] und drehen sich mit großer Geschwindigkeit, während die Segel bzw. Flügel gespannt werden. Wenn die entgegen rasende Luft auf die ausgebreiteten Flügel trifft, hebt die Maschine vom Boden ab, in etwa wie [bei einem flachen Stein, der auf eine Wasseroberfläche geworfen wird und wieder aufsetzt,] wenn seine Antriebskraft durch die Gravitation überwältigt wird.

 

Wie eine Wildgans.

 

Anders als der flache Stein gibt Whiteheads Maschine der Gravitation nicht nach, und darin liegt der Clou seiner Erfindung. Die sich schnell drehenden Propeller können, zusammen mit den Flügeln, auf unterschiedliche Winkel eingestellt werden, um genügend Kraft zu erzeugen, um der Schwerkraft zu entkommen. So funktionierte es zumindest als die alte Maschine getestet wurde und, laut Whitehead, gibt es wohl keinen besseren Beweis als das. Personen, die die Maschine zuerst über den Boden gleiten dann fliegen gesehen haben, sagen, dass sie wie eine Riesengans, die zum Fluge ansetzte, aussah.

 

Whitehead testete seine Maschine zum ersten Mal im vergangenen Juni, aber sein erster erfolgreicher Test wurde am 14. August durchgeführt. Der für die Erprobung gewählte Ort war hinter der Ortschaft Fairfield in der Nähe der Landstraße, wo kaum Bäume im Weg stehen.

 

Es war zwei Uhr morgens als die großen Flügel ausgebreitet und für den Sprung in die Luft vorbereitet wurden. Der erste Test wurde mit zwei Sandsäcken, welche jeweils 110 Pfund wogen, als Ballast an Bord des Schiffes durchgeführt. Seile wurden an der Maschine befestigt, damit sie nicht davon fliegt. Dann wurde jener Motor gestartet, der die vier Räder antreibt.

 

Sobald die Maschine so schnell fuhr wie die Männer, die die Seile hielten, laufen konnten, schaltete Whitehead den Bodenantriebsmotor aus, riss den Gashahn auf und schmiss die Propeller an. Fast gleichzeitig hob sich der Bug des Schiffes an und stieg im Winkel von sechs Grad auf. Die zwei Männer an den Seilen stolperten über die Unebenheiten des Feldbodens, während Whitehead ganz aufgeregt mit seinen Armen winkte, als er sah, wie sich seine Erfindung in die Luft erhob.

 

Er hatte die Kraftzufuhr so eingestellt, dass sie sich automatisch ausschaltete, so dass nach ein paar Minuten, als die Männer an den Seilen fast erschöpft waren, die Maschine sanft wie ein Vogel aufsetzte, ohne irgendeinen der Mechaniker zu verletzen.

Das war zwar nur ein vorläufiger Test, der aber für den Erfinder ausreichte. Er nahm das Schiff wieder an den Startpunkt zurück, entfernte den Sandballast und stieg selbst ein. Die Motoren wurden vorsichtig getestet und jede Nahtstelle und Strebe der Struktur geprüft.

 

Whitehead war kurz davor, sein Leben zu riskieren. Aber, sein Vertrauen in dessen Schiff war so groß, dass er keine Angst hatte. Er nahm im Schiff Platz, öffnete den Gashahn für den Bodenantrieb und bewegte sich bald mit einer alarmierenden Geschwindigkeit über den Boden.

 

Während sie auf den primitiven Holzrädern beschleunigte, wankte die Maschine wie ein Schiff im Sturm, seitlich hin und her. Whitehead behielt aber seinen Kopf, brachte die großen Flügel unter Spannung und startete die Propeller. Als er dies tat, erhob sich das Schiff vom Boden.

 

Erstmals in der Geschichte der Welt flog ein Mensch wie ein Vogel durch die Luft. Das Schiff stieg weiter hinauf bis es zirka fünfzig Fuß über dem Boden war und machte dabei ein „tschunk-tschunk“- Geräusch, wie ein Mähdrescher. Alles funktionierte so, wie es der Erfinder geplant hatte. Doch vor ihm lag Gefahr, denn das Schiff steuerte direkt auf einen Klumpen Kastanienbäume, die sich auf einer kleinen Erhöhung befand. Whitehead sah die Gefahr, war jedoch scheinbar machtlos, um sie zu umgehen. Denn es war zu spät, weiter hinauf zu steigen, um über die Bäume, die recht hoch auf der Anhöhe standen, hinweg zu fliegen. Und der Erfinder hatte keine Vorkehrungen dafür getroffen, wie man abrupt wendet.

 

In die Bäume zu dreschen hätte die Zerstörung des Luftschiffs und den wahrscheinlichen Tot seines einsamen Insassen zufolge. Doch keins von Beidem passierte. Whitehead erinnerte sich plötzlich daran, wie Vögel ihre Flügel neigen, wenn sie sich wenden und lehnte sich instinktiv ein wenig zur Seite. Dadurch wurde das Schiff gelenkt, es wendete seinen Bug von den Bäumen ab und gleitete so elegant um sie herum, wie eine Dampfyacht dem Helmsteuer gehorcht. Whitehead war dadurch so ermutigt, dass er hinter sich blickte und den anderen mit seinen Armen zuwinkte. Nun war er bereits über eine halbe Meile durch die Luft gesegelt. Mit seiner Errungenschaft zufrieden, drehte er den Gashahn ab. Ohne zu schleudern oder irgendein Anzeichen dafür, dass es umkippen würde, setzte das Schiff aus einer Höhe von 50 Fuß auf den Boden so sanft auf, dass dessen Insasse keine Rückbewegung spürte.

 

Später wurde ein weiterer Test durchgeführt, bei dem das Schiff anderthalb Meilen, ohne jeglichen Zwischenfall, durch die Luft flog. Das liegt aber nunmehr alles in der Vergangenheit. Whitehead hat seine Augen und sein Verstand mittlerweile auf die Zukunft gerichtet: Das neue Schiff – doch, bevor es beschrieben wird, ist es vom Interesse, etwas über diesen bemerkenswerten Mann, der die Schwerkraft überwunden hat, zu erzählen.

 

Whitehead ist nur siebenundzwanzig Jahre alt und wurde in Bayern geboren. Zum Beweis dafür, dass er jedoch im Herzen Amerikaner ist, spricht er nicht nur ausgezeichnet Englisch, sondern änderte vor zirka sechs Monaten seinen Geburtsnamen „Weiskopf“ in den neuen, zwischenzeitlich von ihm verwendeten Namen. Er ist vor einigen Jahren nach New York gereist und während er einer bescheidenen Arbeit nachging, fing er an, Flugzeug-Modelle zu bauen. Diese waren sehr [very] erfolgreich. Er weigerte sich, xxxxxxxxxx xxxxxxx xx xx xxxxxx xx xx zog in den Norden nach Buffalo, wo er heiratete. Dort baute er weitere Maschinen, doch Whitehead konnte sie nicht zum Fliegen bringen.

 

Von Buffalo ist er nach Pittsburgh, Pa., gezogen, wo er weiterhin daran arbeitete und probierte. Er baute eine Maschine in Pittsburgh die, wie er selbst sagt, mehr oder weniger erfolgreich war xxx xxx xxx. Xxxxxxx eine Verbesserung xxx xxxxxx xxxx. Vor zirka anderthalb Jahren kam er nach Bridgeport. Wie er heute sagte, hatte er damals keine Mittel, um jene [neue] Maschine zu bauen, die er damals im Kopf hatte. Doch, statt aufzugeben, nahm er eine Stelle als Nachtwächter an und arbeitete tagsüber im Keller an jenem Schiff, das seine Bemühungen nun mit Erfolg krönte.

Seine Ersparnisse waren gering und er gab alles für den Bau der Maschine aus. Aber mittlerweile sieht die Zukunft besser aus, da Whitehead zwischenzeitlich einen kapitalstarken Geldgeber hat. Whitehead weigert sich, zu verraten, wer dieser Mann ist. Er ist gleichermaßen zurückhaltend, was seine Zukunftspläne betrifft. Er räumte jedoch ein, dass seine Maschine vielleicht in den nächsten Monaten auf den Markt kommen wird, und dass es möglich sei, dass der Preis eventuell so tief wie $1.500 oder $2.000 liegen wird.

 

So alltäglich wie Autos.

 

Ich habe keine Zweifel daran, dass in ein paar Jahren Flugmaschinen so häufig wie Automobile sein werden.“, sagte Whitehead, „und noch vordem Sie und ich alt geworden sind, wird mehr durch die Luft als auf dem Land oder dem Wasser gereist werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat es den Anschein, unmöglich zu sein, dass Luftschiffe jemals schwere Lasten oder gar mehrere Personen befördern werden. Ich aber sage, es scheint nur unwahrscheinlich zu sein. Es ist aber nicht unmöglich.

 

„Es ist heutzutage nicht mehr sicher, wo doch so viele neue Dinge erfunden werden, zu sagen, irgendetwas sei unmöglich. Ich bin nicht bereit, zu sagen, dass irgendetwas unmöglich ist, außer das ‚Perpetuum Mobile‘. Ich habe keine Zeit damit verschwendet, jenes Problem zu lösen, denn es liegt außerhalb des menschlichen Könnens.“

 

Während Whitehead sprach, machte er einen Schrank auf und nahm einen, etwas mehr als einen Fuß langen, ca. vier Zoll breiten, polierten Stahlzylinder heraus.

Das wiegt nur zirka anderthalb Pfund“, sagte er, „seinen Wert kann jedoch gegen sein Gewicht in Gold aufgewogen werden. Zwei davon werden im neuen Motor, den ich gerade baue, eingesetzt, um die Propeller anzutreiben. Dieser Stahl wurde in England auf Sonderbestellung gefertigt und es gibt auf der ganzen Welt keinen besseren. Ich hatte den Einsatz von Aluminium zwar vorsichtig überlegt, entschied letztlich jedoch, dass Stahl besser sei, da es im Verhältnis zu seinem Gewicht viel stärker ist.

 

Je mehr er erzählte, desto mehr begann sich, Whitehead zu begeistern, und er erzählte dabei eine ganze Menge Interessantes über sein neues Luftschiff.

Die Motoren werden die feinsten der Welt“ erklärte er. „Jener Motor, der die Propeller antreibt, wird nur fünfundzwanzig Pfund wiegen, jedoch dreißig PS erzeugen. Ist nicht das ein Triumph des mechanischen Könnens? Dieser Motor wird zirka vier Fuß lang sein und am dem Bug des Bootes so liegen, dass er über seitlich hinaus ragt, genauso wie der Motor im alten Boot. Um zu zeigen, wie genau der Motor montiert wird, stellte sich Whitehead ins alte Schiff und zeigte, wo der alte Motor montiert gewesen ist. Als er das machte, blickte er zum alten Motor hinüber, der am Boden lag und lächelte. Er ist nicht so, wie der Neue sein wird“, sagte er. „Ihn baute ich aber ganz alleine im Keller. Ich glaube, dass ich das Recht habe, darauf stolz zu sein. Nein, das vorne liegende Gewicht des Motors bringt das Schiff nicht zum Kippen. Das war eines der schwersten Probleme zu lösen.

 

Dreißig Fuß insgesamt.

 

Selbst derjenige, der nur geringe Kenntnisse über Vögel hat, weiß, dass das meiste Gewicht vorne an der Brust liegt. Der Motor, um das Schiff auf dem Land anzutreiben, wird im unteren Teil des Boots sein. Er wird zirka fünfzehn Pfund wiegen und zwölf PS leisten.

 

„Das Schiff wird zirka zwölf Pfund Calcium-Carbid mitführen, was ausreicht, um es den ganzen Tag anzutreiben. Die Kraft wird durch eine schnelle Serie von Zündungen erzeugt. Ich kann, wenn erforderlich, 150 solche Zündungen innerhalb von nur einer Minute erzeugen. Das Schiff wird mit zwei Trockenzellen-Batterien sowie einer Zündspirale, ums Gas zu zünden, ausgestattet.

 

„Das auf diese Weise erzeugte Gas wird in einen Kompressor geleitet und von dort aus weiter in die Zylinder, so dass ein gleichmäßiger Druck entsteht. Mittels dieses Gases kann ein Druck von 500 Pfund pro Quadratzoll erzeugt werden. Ja, Calcium-Carbid ist gefährlich zu hantieren. Ich bin jedoch vorsichtig. Ich will nicht in die Luft gesprengt werden, zumindest nicht bevor ich mein Luftschiff perfektioniert habe.

 

Als das Gas in den Kompressor geleitet wird, kommt es in Berührung mit einem chemischen Präparat, dessen Zusammensetzung nur Whitehead bekannt ist. Es ist der Kontakt mit diesem Präparat, der den enormen Druck erzeugt. Es wird gesagt, dass sogar Dynamit nicht so stark sei, wie diese neue Kraft.

 

Nach Fertigstellung wird das neue Schiff zirka dreißig Fuß Gesamtmaß haben. Das Boot wird zirka achtzehn Fuß lang und vier Fuß breit sein. Obwohl es nach demselben Plan gebaut und durch dieselbe Schubmechanik angetrieben wird, wie das alte, wird das neue Schiff in vielen Einzelheiten anders sein. Statt, über einen Holzrahmen gespannten Stoff zu haben, wird der Bootsteil durchgehend aus Holz beschaffen und seitlich zirka vier Fuß hoch sein. Das Boot – an beiden Enden spitz – ist nun fast fertig und steht in einem Schuppen hinter der Werkstatt. Es wird zirka 150 Pfund wiegen. Whitehead sagt jedoch, dass dies nicht zu schwer sein wird. Statt mit Stoff bespannten Flügeln sagt der Erfinder, dass er beabsichtigt, Stahlblech so dünn, wie es die fähigsten Facharbeiter in Pittsburgh es herstellen können, einzusetzen. Dies wird widerstandsfähiger sein und seine Form im Windstrom besser halten. Das Stahlblech, so kalkuliert Whitehead, wird weniger als acht Unzen pro Quadratfuß wiegen. Das fächerförmige Leitwerk wird zehn Fuß lang sein und, wie die Segel, ebenfalls aus Stahlblech sein. Trotz der Menge des in der Konstruktion des neuen Schiffs verwendeten Stahls wird es, so Whitehead, nicht viel mehr, wenn überhaupt, als das alte wiegen.

 

Einer der Hauptgründe dafür, warum Menschen bislang nicht fliegen konnten“, sagte Whitehead während er bedächtig die Teile seines neuen Motors ansah, „war dass sie einen Motor nicht leicht genug machen konnten. Mein Motor wird eine Kraft erzeugen, die im Verhältnis zu seinem Gewicht größer ist als jene der Muskeln in den Flügeln eines Vogels. Allerdings wiegt das Gehirn, das die Muskelbewegung eines Vogels steuert, weniger als eine Unze. Würde ein Mensch nur mit seinem Gehirn, ohne den damit einher gehenden, schweren Körper, zum Fliegen bringen müssen, wäre die Herausforderung nicht so schwer.“ Whitehead erklärte weiter, dass Santos-Dumont nichts Bemerkenswertes mit seinem Luftschiff erreicht habe.

 

Das einzig Neue daran ist“, sagte er, „dass er einen Benzinmotor einsetzt. Der Ballon, La France, machte fünf erfolgreiche Flüge aus sieben Versuchen im Jahre 19xx, und kehrte an seinen Startplatz zurück. Santos-Dumont hat also nichts mehr als einen Ballon – eine Schwebemaschine, nenne ich sie. Eine wie ein Vogel fliegende Maschine hingegen, muss ein spezifisches Gewicht besitzen, welches schwerer als Luft ist.

 

Am besten bei Starkem Wind.

 

Santos-Dumont ist nicht um den Eiffelturm geflogen, sondern darum geschwebt. Irgendeine hohe Geschwindigkeit ist mit seiner Maschine unmöglich, da die großen Gaskörper zu viel Luftwiderstand erzeugen. Ich glaube nicht, dass er irgendeine Vorwärtsbewegung gegen eine Windstärke von fünfzehn Meilen pro Stunde schafft. Meine Maschine ist in jener Hinsicht ganz anders, da sie bei starkem Wind viel besser als bei lauen Lüftchen fliegen wird. Sie wird auch, wie ein Vogel, unabhängig vom Wind in jede Himmelsrichtung fliegen können und ein schnelles Tempo machen, auch direkt gegen den Wind, und dabei segeln wie ein Vogel.

 

„Ja, eine gewisse Gefahr wird es dabei geben, das Segeln meines Luftschiffes zu erlernen. Ich glaube aber nicht, dass es allzu viel schwerer sein wird, als das Radfahren zu erlernen. Sobald man gut fahren kann, wird’s zum Automatismus und man bilanziert es instinktiv aus.

 

„Es ist ähnlich mit einem Luftschiff. Man kann es leicht steuern und realisiert bald, dass es fast wie ein Teil von einem selbst wird. Hat man diese Fertigkeit gemeistert, so wird mein Schiff derart leicht handzuhaben sein, wie der Umgang mit einem
Brettspiel.“

 

An der Fabrik Whiteheads gibt es nichts Überhebliches. Man könnte leicht daran vorbei laufen, ohne sie zu bemerken. Sie ist nur zirka vierzig Fuß lang, fünfzehn Fuß breit und ist recht grob aus Brettern gebaut. Darin befinden sich aber wertvolle Gerätschaften. Whitehead meint, dies würde im Moment ausreichend sein. Daran angeschlossen ist ein kleiner Schuppen, zirka fünfzehn mal fünfzehn Fuß im Planquadrat. In dieser kleinen Werkstatt arbeiten zwölf Männer in der Tagesschicht und fünf in der Nachtschicht.